WAS IST DEINE STORY? IST DEIN BOSS AUCH EINE MEMME?

In Sonntagsreden betonen Vorstandschefs gerne, wie sehr sie ihre Mitarbeiter schätzen. Wie es wirklich zugeht in deutschen Büros, das erzählen nur die wahren Geschichten aus dem Alltag. Erzählen Sie hier Ihre Geschichte.

  • Knut Völker schrieb

    Ich habe im Dezember einen neuen Job in Berlin angefangen. Für die Position gab es zum Zeitpunkt des Vorstellungsgespräches noch keinen neuen Leiter. Für mich war das mit einem Umzug verbunden.

    Als ich dann anfing hatte sich nicht nur die hierarchische Einordnung der Abteilung zu einer Hauptabteilung geändert, sondern es stand auch ein Chef fest. Dieser fing einen Monat nach mir an.

    Während der Vorstellungsgespräche und dem Kennenlerntermin mit meinen neuen Kollegen fiel mir schon auf, dass es da eine Kollegin gibt, die möglicherweise ein Problem mit mir hat. Sie hatte bisher die Abteilung quasi als Mitarbeiterin für den komissarischen Leiter gesteuert. Jetzt sollte ich neben sie gestellt werden und obendrüber ein neuer Chef.

    Der neue Chef war erst unmittelbar vorher darüber informiert worden, dass er nun Hauptabteilungsleiter sei und für den ganzen Konzern zuständig sei. Ich habe es ja auch erst bei Antritt meines Jobs erfahren, hatte vorher aber auch schon eine vergleichbare Postion gehabt und damit kein Problem.

    Mit fiel schnell auf, dass der neue Chef anscheinend für alle möglichen Fragen eine Antwort parat haben wollte. Der Papierstapel den er zu Besprechungen mitbrachte wurde langsam größer und größer.

    Mit meiner Kollegin sprach er eine klare Aufteilung der Aufgaben ab, wobei sie auch für Stabsabteilungen zuständig sein sollte. Ich nur für wenige Stabsabteilungen und hauptsächlich Produktionsbereichen (die Hauptabteilungen ist HR Controlling in einem europäischen Konzern).

    Da ich natürlich auch noch neu war, konnte ich es gut nachvollziehen, dass er sich von meiner Kollegin briefen ließ. Zu Terminen zum Konzernsitz im Ausland nahm er nur sie mit. Das konnte ich zunächst auch nachvollziehen, irgendwann dachte ich mir aber, dass es auch für mich mal gut wäre, dorthin mizukommen um die Kollegen kennenzulernen mit denen ich schon zu tun hatte.

    Ursprünglich hatte er das auch so angekündigt, wobei ich mich noch gut erinnern kann, das meine Kollegin schon damals meinte, bei ihr wäre das auch nicht sofort passiert.

    Langsam hatte ich das Gefühl, dass ich nicht bei allem mit eingebunden werde und das meine Kollegin die Situation ausnutzt. Ich gab mir zwar Mühe auf sie zuzugehen, es herrschte aber immer eine gewisse Spannung. Mit den anderen Kollegen kam ich gut klar und von denen bekam ich auch genug zu tun.

    Das Halbzeitgespräch zur Probezeit, kam nur auf meinen Wunsch zustande. Mein Chef hatte als einzigen Punkt die Anmerkung ich solle mehr sagen, sprich mich mehr durchsetzen. Ich erklärte ihm, dass ich erst einmal die ganzen Abläufe verstehen muss und mich in die Themen einarbeiten müsse, bevor ich konkreter etwas sagen könnte. Bei allgemeinen Themen habe ich aber auch vorher schon meine Meinung geäußert. Was oft zu passenden Kommentaren meiner Kollegin führte. Interessanterweise sprach er in dem Termin aber von sich aus an, dass er sich darum kümmern würde, dass ich stärker eingebunden werde. Ich müsse mich um nichts kümmern. Er entgegnete noch vielsagend, dass es Mitarbeiter gebe, für die loslassen manchmal schwer wäre.

    Er fragte mich noch wie ich mir meine weitere Einarbeitung vorstellte. Ich sagte ich müsse weiter in die Themen reinkommen und wenn er sich darum kümmere, dass ich auch stärker eingebunden werde, dann wäre das gut. Ich war froh darüber, dass er das erkannte.

    Es passierte aber erst mal nichts. Ich musste sogar meine Kollegin und meinen Chef darauf ansprechen, dass sie Termine machten für Bereiche für die ich eigentlich zuständig war. Meine Kollegin hatte aufgrund ihrer Zuständigkeiten sowieso immer einen Wissensvorsprung und ich hatte manchmal den Eindruck, dass bewusst Informationen zurückgehalten wurden.

    Bei Besprechungen hielt ich mich nach wie vor zurück und ließ ihr den Vortritt. Irgendwann kamen dann giftige Kommentare von ihr, ich solle auch mal was sagen, was ich auch tat, aber gleich wieder oberlehrerhaft Kommentiert wurde. Wenn ich mal etwas zu ihr sagte, hatte ich oft den Eindruck sie meinte sich sofort rechtfertigen zu müssen, auch wenn ich das nur als Anmerkung gesagt hatte.

    Schließlich wurde ich auch in strategische Themen eingebunden, wobei ich zu den Besprechungen im Ausland nicht dabei war und ich so immer einen Wissensrückstand hatte. Die Themen wurden durchgesprochen, ich soweit informiert und es wurden Aufgaben verteilt. Verständlicherweise hielt ich mich zurück und übernahm die Aufgaben die ich mit meinem Wissen erledigen konnte, sofern wir die Themen nicht gemeinsam erledigten.

    Nach drei Monaten hatte ich schon mehr als hundert Überstunden, mein Chef und meine Kollegin arbeiteten noch mehr. Da es aber auch etwas anderes als nur Stunden machen gibt, achtete ich darauf, auch mal früher zu gehen und setzte das auch durch. Meine Kollegin arbeitete immer solange wie mein Chef. Wenn es etwas zu erledigen gab, machte sie auch durch bis um 21:30 Uhr. Das war mir zuviel, zumal ich nicht den Eindruck hatte, dass das auch unbedingt bis dann erledigt werden muss und ich von meinem Chef erwarte, das er seinem Chef auch kalr sagt, was machbar ist und was nicht.

    Ich wurde zunehmend unzufridener, da ich so ein Gefühl hatte, es läuft etwas falsch und dass hier manipuliert wird. Da ich ja noch in der Probezeit bin, hielt ich mich aber zurück. Hätte ich meine Kollegin angegriffen, hätte ich wohl eh einen kürzeren gezogen, da mein Chef ja auf sie angewiesen ist. Der Rest des Team wurde sowieso nur im Rahmen der wöchentlichen Besprechungen über das wichtigste informiert.

    Meine Kollegin arbeitete mich dann in die interne Leistungsverrechnung zwischen Konzernunternehmen in verschiedenen Ländern ein. Ich erstellte die Berechnungen und leitete das dann zum verrechnen weiter. Als die Rechnungen dann beim Inhaber der jeweiligen Kostenstellen eintrafen (einem anderen Hauptabteilungsleiter innerhalb von Personal), prüfte ich sie und gab dann das okay.

    Die Rechungen gingen dann an den Personalvorstand, der sie freigeben musste. Zwischenzeitlich hatten wir einen neuen Personalvorstand bekommen. Als die Rechnungen dann bei diesem eintrafen wandte er sich an den anderen Hauptabteilungsleiter und wollte mehr Informationen haben. Dieser wandte sich an mich und bat mich „short and sweet“ etwas dazu zu schreiben.

    Ich erledigte das. Der Hauptabteilungsleiter leitete meine Einführung noch mit dem Kommentar weiter, dass ich für Detailinformationen zur Verfügung stehe.

    Da mein Che und meine Kollegin zu diesem Zeitpunkt wieder am Konzernsitz waren und einen Termin beim Personalvorstand hatten, leitete ich dieses Mail zur Information weiter, mit dem Kommentar dort könne es zu Fragen kommen. Sofort kam von meiner Kollegin eine Rückfrage was es damit auf sich habe. Ich erklärte es und damit war das Thema für mich erledigt.

    Gegen Abend des gleichen Tages bekam ich ein Mail von meinem Chef. Es war ein Mail wo ich nur dachte, wenn man so etwas überhaupt tut, sollte man es sagen. Ein E-Mail mit Vorwürfen zu schreiben empfand ich als ganz schlechten Stil. Am nächsten Tag kam mein Chef und machte mir diese Vorwürfe nun mündlich. Er warf mir vor dabei nicht ausreichend informiert zu haben. Ich erklärte ihm, dass ich nicht viel Zeit hatte und genau das gemacht hatte, um was mich der andere Hauptabteilungsleiter gebeten hatte. Schließlich stand ich ja auch für vertiefte Informationen zur Verfügung, in der kürze der Zeit ging das ja nicht. Das reichte ihm aber nicht, er meinte ich hätte ihn vorher nicht informiert und wir hätten das besprechen müssen. Ich erklärte ihm ruhig, dass ich nicht der Meinung sei, dass man für jedes Thema im Voraus eine aushführliche Dokumentation erstellen muss, sondern das es reicht dies bei Fragen dazu zu tun.

    Mir viel dann der Papierstapel wieder ein. Ich habe schon viel direkt mit Geschäftsführern zu tun gehabt. Nie hatte einer ein Problem damit, wenn ich auf Fragen entgegnete, ich muss das kären, ich kümmere mich darum, bis wann wollen sie das haben. Ich kann mich aber auch daran erinnern das ich schon vorher Chefs hatte, die anscheinend der Meinung waren sie mussten alles wissen.

    Ich blieb aber ahrt, zog mir den Schuh nicht an und erklärte mich gerne bereit dafür eine Dokumentation zu erstellen.

    Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir konkretere Gedanken um meine weitere Zukunft im Unternehmen, so einen Chef wollte ich nicht wieder haben.

    Danach machte mein Chef mit meiner Kollegin weiter wie bisher. Manchmal wurde ich eingebunden, manchmal nicht. ich hatte aber auch genügend andere Dinge zu tun.

    Ich war zwar weiterhin unzufrieden, dachte mir aber, geb ihm noch eine Chance, er ist neu, er ist auf die Kollegin angewiesen und solange niemand mit Dir spricht, dass es ein größeres Problem gibt, musst Du Dir auch keine Gedanken um die Probezeit machen.

    Die bissigen Kommentare meiner Kollegin blieben auch nicht aus, sie wurden sogar noch besser, es kamen Aussagen wie ich müsste ja wissen was ich tue. Wenn ich z.B. erklärte warum ich etwas so machen würde und nicht anders. So eine Situation endete dann damit, dass sie darüber meinen Chef informierte, der dann zu mir kam und meinte, er hätte das wohl deutlicher sagen sollen, das er das so und so wolle. Wieder erklärte ich meinen Standpunkt, das Thema wurde diskutiert und wenn mein Chef es dann noch so wollte, bekam er es so.

    Ich hatte nach wie vor ein komisches Gefühl und wollte das Thema gerne mit einem Personalvermittler den ich schon lange kenne diskutieren. Dieses Gespräch wollte ich noch vor meinem Urlaub machen. Meinen Chef musste ich an meinen Urlaub am Ende der Probezeit erinnern, wir hatten zwar zu Beginn darüber gepsprochen, aber das war ihm nicht mehr klar.

    Kurz vor dem Termin bat mich mein Chef zu einem Gespräch. Nachdem das Gespräch am Freitagnachmittag mit einer Stunde Verpsätung anfing, sagte er mir als Einleitung ich würde nach der Probezeit nicht übernommen werden. Aus seiner Sicht sei ich für die strategischen Themen nicht geeignet. Wirklich überrascht war ich nicht darüber, ich entgegnete ruhig das das ja dann so sei und wollte gehen.

    Jetzt war er sehr erstaunt, dass ich nicht erstaunt war. Schließlich erklräte ich ihm doch noch, das er in dieser Position entweder einen Berufsanfänger einsetzen solle oder er klar die Verantwortlichkeiten regeln solle, da sonst jeder darin scheitern würde.

    Außerdem sagte ich ihm noch, dass ich mich sehr zurückgehalten hätte und mir vorgekommen sei wie in einem Wettbewerb um die Gunst des Chefs. Das ich das nicht nötig hätte und das ich nicht gesehen habe, dass er sich um eine Aufteilung der Aufgaben ernsthaft gekümmert habe. Außerdem seien gewisse Kommentare seitens meiner Kollegin nicht angemessen und auch nicht damit zu entschuldigen, dass sie mir Freiraum geben wollte. Dafür war der Tonfall zu unverschämt.

    Meinem Chef war nicht klar wie viele Überstunden ich hatte, er war sehr erstaunt darüber. Außerdem hatte er die Kündigungsfrist verschlafen, was für mich bedeutete einen Monat mehr Geld. Wenn man bedenkt, dass er sonst immer für alles einen Zettel dabei hat, wirkte er erstaunlich planlos in dem Gespräch.

    Als ich das dann einem Kollegen erzählte, fiel der aus allen Wolken. Er erzählte mir auch, dass meine Kollegin ein paar Wochen vorher erkundigungen über mich eingeholt hätte, da sie mit meinen Leistungen nicht zufrieden sei. Was er nicht bestätigte.

    Mein Fazit ist das sich hier jemand ganz gewaltig hat manipulieren lassen, aus Angst alleine dazustehen.

    Passiert ist das vorgestern, ich muss das erst noch verdauen. Ich werde wohl mal mit dem Betriebsrat sprechen, nicht für mich, sondern für andere.

    Jetzt muss ich mir zwar wieder einen neuen Job suchen, aber so bin ich wenigstens raus und kann hoffen, dass ich schnell einen neuen, besseren Job finde.

  • Nadja Strasser schrieb

    Hallo,
    das Buch ist sehr interessant: Ich bin leider auch Opfer eines Memmen-Chefs geworden: Neu in der Firma, wurde ich von einer älteren Kollegin, deren Verhalten zwanghaft perfektionistisch wirkte – mit enger Bindung zum Chef – so gemobbt, dass ich in kürzester Zeit mein Selbstvertrauen und mein Vertrauen in meine Fachlichkeit verlor. Mein Chef, der Excel Tabellen und Zahlen sehr liebt und sicher durch diese Frau über meine zahlreichen „Vergehen“ in Form einer Excel-Tabelle informiert wurde, fragte mich kein einziges Mal nach meinem Befinden, Wohlergehen oder Erleben. Nach 4 Wochen erhielt ich ohne jegliche Anzeichen, ohne Vorwarnung, ohne Rücksprache, ohne Begründung, ohne Möglichkeit der Verteidigung und des Ausdrucks meiner Emotionen, die Kündigung mit sofortiger Freistellung von der Arbeit. So etwas habe ich in den letzten 20 Jahren noch nie erlebt. Die Sache war in 5 Minuten erledigt. Er meinte, dass wir uns die gegenseitigen Verletzungen ersparen sollten. Auf Nachfragen teilte er mir nur mit, dass die Geschäftsführung das Vertrauen in mich verloren habe. Dabei konnte er mir kaum in die Augen sehen. Er sagte mir dann auch, dass er das Gespräch auch als unangenehm empfinde. Ich kam mir vor, als ob er mir hinterrücks ein Messer in den Rücken gerammt hätte bzw. von vorne ins Herz. Modernes Führungs- und Kommunikations-verhalten habe ich mir – ehrlich gesagt – doch etwas anders vorgestellt.
    Das ist seelisch gar nicht so einfach zu verarbeiten.
    Da mein „Ex-Chef“ das Thema Mobbing nicht realisieren kann oder will,(ist auch schwierig, wenn er nicht mit mir redet) sucht er die Lösung des Mobbing-Problems darin, als NachfolgerIn eine Person mit noch besserer fachlicher Qualifizierung zu suchen.

    Viele Grüße und vielen Dank für dieses Buch

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